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ls Verbrecher hat man ja eher ein misstrauisches Verhältnis zur Polizei, kuckt lieber zwei Mal, wenn man aus dem Haus geht und ist stets um einen gesunden Abstand bemüht. Zum Katz-und-Maus-Spiel gehört es aber auch, dass man verlieren muss, und in diesen Momen-ten zeigen sich meist die wahren Charaktere der Akteure. Wenn ich mit dieser Alltagserfahrung in den Irak kucke und mir bewusst wird, dass dort zahlreiche Berichterstattungen (durch die ich zweifellos beeinflusst werde—das ausgewählte Bild- und Tonmaterial wird mir ja nach Begutachtung und Bewertung unter Verdeutlichung politischer Richtlinien vorgesetzt) die Weltpolizei USA zeigen, wie sie auf der Achse des Bösen Strolche und Halunken jagt, kuckte ich auch in diesem Falle lieber zwei Mal hin und frage mich, was wollen die da wirklich?

Es ist nachvollziehbar, dass die ursprüngliche Idee, den Nahen Osten zu befrieden, ehrenswert erscheint, dass genau das den Einsatz einer Weltpolizei, die den ehemaligen Weggefährten Saddam Hussein zum Feind sterilisiert, rechtfertigt, Mittel und Soldaten zu mobilisieren. Dass der Irak zum Mittelpunkt einer Konfliktlösung wird, von dem aus—ist er erstmal eingenommen—das widerspenstige Syrien durch die Verbündeten—Irak im Osten, Jordanien im Süden, Israel im Südwesten—zur Enklave eingeschlossen wird, womit sich die Region beruhigt, klingt logisch und gut. Da übersieht man schon mal nicht auffindbare Trophäen von Massenvernichtungswaffen.

Nie vergessen werde ich die werbenden Gespräche der amerikanischen Militärs bei der heimischen Großindustrie: Investieren sie jetzt in den Irak und vervielfachen sie ihre Profite, nutzen sie die Gunst der Stunde. Verständlich, dass das Öl mitgenommen wird, dass die Wirtschaftsmacht Amerika auf Zuwachs und Gewinne angewiesen ist, dass die Rüstungsindustrie ein Plateau benötigt, sich zu erproben und zu vervielfältigen, das ist nun mal die Grundlage unseres kapitalistischen Gesellschaftssystems.

Ziel ist es also, den Irak zu demokratisieren, ihn zu einem Stützpunkt der westlichen Welt und deren Werte werden zu lassen und darüber hinaus, sich beim großen Nachbarn im Osten, dem Iran, den Einfluss, den Goodwill der Schiiten zu sichern, den schließlich hat man ja ihren Todfeind Irak, die Sunniten, in den Griff bekommen. Dieses Husarenstück, wäre es gelungen, hätte den USA einen unglaublichen Erfolg beschert. Öl und Produktionsaufträge wären geflossen, hätten Gewinne, Einfluss und Macht forciert. Wäre da nicht die Religion! Der unumstößliche und über Jahrhunderte durch Generationen gefestigte Glaube an Werte, die ewig und drei Tage von unserer Weltanschauung entfernt sind.

Riten und Lebensgewohnheiten, die mit einer Bussi-Bussi-Gesellschaft und Wer-schläft-mit-wem-Entertainment nichts anfangen können. Zwei so grundsätzlich verschiedene Daseinsformen, die un-vereinbar sind. Da ist es wenig hilfreich, den fragwürdigen Mantel der Demokratie zu ziehen, die fremde Kultur für sich einzunehmen. Ist das nicht die Fratze des Geldes, einer eiskalten, mit Ellbogen kämpfenden Konsumgesellschaft? Glauben wir wirklich, andere damit begeistern zu können, in dem wir ihre Kulturen und Überzeugungen mit Panzern befahren und uns dabei wie Befreier glorifizieren? Geschichte ist so wiederholbar—Missionare, Eroberer, Putschisten und Diktatoren—sie alle haben den Respekt verloren.

Die Anerkennung der Verschiedenartig—und Vielfältigkeit unseres Universums, die Bewunderung und Wertschätzung eines Biotops, das anders ist als ich. God Bless America.

EUER MANN VOM PLANET TEGEL