NEWSLETTER



DOS & DON'TS

“You have to meet Stacy’s step-sister. She’s old but she totally rocks.” Comments/Enlarge | See all


The problem with today's queers is they all refuse to think big. When's the last time you heard one say, "Fuck it, I think tonight I'm just going to go as Earth." Comments/Enlarge | See all






RELATED ARTICLES

EIN ALTER JAPANISCHER ARZT, DER ...
Japan ist immer noch (zumindest war es da...
VIDEO GAMES KILLED THE RADIO STA...
GTA 4—THE LOST AND DAMNED
Als...
EIN BRASILIANER IN ... PARIS & M...
Philip Griffiths
Vice: Wo bist du...
VIDEO GAMES KILLED THE RADIO STA...
DJ HERO
Ihr rechnet nicht ern...








FOTOS VON ALEX STURROCK STYLING: ALDENE JOHNSON
HAARE & MAKE-UP: LINDA ANDERSSON VON S MANAGEMENT


ZAHRA AL-NAIB, 24

Vice: Du bist eine muslimische Irakerin, die in London lebt. Würdest du dieses schwarze Gewand in der Öffentlichkeit tragen?

Zahra:
Ich würde es tragen, wenn ich zur Moschee gehe.

Wie oft gehst du denn?

Mädchen gehen eigentlich nicht so oft in die Moschee. Ich würde gerne genauso oft gehen, wie andere Leute. Für Männer ist der Druck in die Moschee zu gehen und zu beten größer als für Mädchen. Manchmal ist es für Mädchen wichtiger zu Hause zu bleiben und ihre täglichen Pflichten zu erledigen. Männer machen nicht wirklich was zu Hause.

Und was trägst du normalerweise?

Normalerweise trage ich Jeans, Stiefel und kleine Pumps. Ich kaufe eigentlich keine Modemagazine, aber ich bin gerne auf dem Laufenden, was so die neusten Trends sind, also kucke ich manchmal im Internet nach, welche Looks gerade angesagt sind. Neulich hab ich gesehen, dass die Farbe Gelb sehr beliebt ist, also hab ich heute Gelb getragen!

Ist dein Kleidungsstil davon beeinflusst, dass du Muslima bist?

Ja. Man darf nicht vergessen, dass man ein Muslim ist, denn wenn man es komplett vernachlässigt, besteht die Gefahr, dass man den modernen, verwestlichten Kleidungsstil übernimmt. Ich mag es nicht, wenn die Leute sich zu sehr von den Medien oder von ihrem Freundeskreis beeinflussen lassen.

Was hältst du davon, wie die Medien momentan das Bild der Leute vom Irak beeinflussen?

Wenn ich die Berichterstattung über den Irak im Fernsehen sehe, macht mich das echt traurig. Ich finde, die Medien konzentrieren sich zu sehr auf diese so genannten muslimischen Extremisten. Ich glaube nicht, dass diese Leute Muslims sind, denn Muslime gehen nicht einfach los und bringen Leute um.

Was die Menschen verstehen müssen ist, dass viele Leute, als Saddam Hussein gefangen wurde, gesagt haben: „Wir werden nicht nach den Regeln des Westens leben.“ Dann haben die Leute es übertrieben, indem sie sich Sprengstoff um den Bauch geschnallt und Sachen in die Luft gejagt haben—da fliegen Moscheen in die Luft und es liegen Kinder rum, von denen der halbe Körper hier und die andere Hälfte woanders liegt. Ich glaube, dass hört erst auf, wenn die Leute aus dem Westen das Land verlassen.






ZEENA ZAKARIA, 20

Vice: Wann bist du nach Europa gekommen?


Zeena: Ich bin von Bagdad hier hergekommen, als ich sieben war. Meine Mutter und mein Vater waren dort Ärzte, aber sie entschlossen sich den Irak zu verlassen, als sich die Lage zu verschlechtern anfing. Das war ein paar Jahre vor der amerikanischen Invasion.

Wir mussten das Land heimlich verlassen, weil Saddam etwas unternommen hätte, wenn er herausgefunden hätte, dass Ärzte das Land verlassen. Die Reisefreiheit war unter Saddam sehr eingeschränkt. Leider muss man sagen, dass sie wahrscheinlich, seitdem er weg ist, noch begrenzter ist.

Warum?

Bevor die Amerikaner kamen, war der Irak mehr oder weniger ein laizistisches Land. Hier lebten Muslime, Christen und Juden zusammen. Manche Leute haben Kopftücher getragen, wie das, was ich gerade aufhabe, aber meine Mutter hätte so was nie angezogen.

Inzwischen tragen immer mehr Frauen Kopftücher und Hijabs. Die extremistischen religiösen Milizen nutzen es aus, dass so gut

wie keine Gesetze mehr gelten und fangen an die Leute wegen ihrer Kleidung zu attackieren. Extremisten gibt es sowohl unter den Schiiten, als auch den Sunniten, und sie unterteilen sich alle in unterschiedliche Gruppen. Es herrscht völliges Chaos. Sie wollen das Land in einen Religionsstaat verwandeln und ich denke, sie werden es wahrscheinlich auch schaffen.

Wie sieht dein Alltag hier aus?

Ich studiere Politik, aber ich möchte Filme machen. Ich gehe gerne zu Drum and Bass Nights, mein Freund steht total auf Grime.

Wie ziehst du dich im Alltag an?

Ich liebe Absatzschuhe. Ich bin ziemlich klein, also möchte ich mich gerne größer machen. Für irakische Begriffe ziehe ich mich wahrscheinlich ziemlich nuttig an. Für zu Hause kaufe ich mir gerne Sachen bei American Apparel.

Was würde denn passieren, wenn du dich im Irak nuttig anziehen würdest?

Ich würde sicher erschossen werden. Im Moment sind die beliebtesten Modeartikel im Irak Schleier und kugelsichere Westen.




SAMAR BASROWI, 23

Vice: Wo kommt deine Familie ursprünglich her?

Samar:
Aus Basra. Mein Vater war dort Chauffeur.

Und was denkt deine Familie über das, was dort gerade läuft?

Es macht uns wütend. Sie unterdrücken uns im Irak. Sogar der Westen weiß das jetzt. Wenn du die Anzahl an Soldaten, die gestorben sind, mit der Anzahl der unschuldigen Zivilisten vergleichst, die rücksichtslos niedergemetzelt wurden, steht das in keinem Verhältnis.

Und noch was: Sie finden es völlig in Ordnung Saddam umzubringen, obwohl bei ihnen ein absoluter Diktator, nämlich George W. Bush, an der Macht ist. Das alles ist aber überhaupt nicht in Ordnung. Wenn du Al-Dschasira kuckst, siehst du den Riesenunterschied zwischen der Art, wie die Nachrichten hier kommuniziert werden und der dortigen Berichterstattung. Die wirklichen Gründe hinter den ganzen Problemen bekommst du nicht zu sehen. Es geht nicht einfach nur um Amerikaner-gegen-Muslime. Darum geht es überhaupt nicht.


Worum dann?

Als Saddam an der Macht war, gab es eine Kluft zwischen den Schiiten und den Sunniten, aber die war mit dem Ausmaß des jetzigen Konflikts nicht zu vergleichen. Ich denke, viele der Extremisten beider Sekten sind ganz froh, dass Saddam weg ist und sie jetzt die totale Gesetzlosigkeit, die dort existiert, ausnutzen können. Die Regierung ist ein Witz. Die Macht im Land liegt in den Händen zufällig zusammengewürfelter Milizen.

Du klingst wütend.

Ich sehe die neuesten Schlagzeilen, die so genannten „Durchbrüche“ und mir wird davon wirklich körperlich schlecht. Jedes Mal, wenn ich mir die Medien ansehe, weiß ich, dass das ganze Zeug, was sie einem da servieren, mir den Tag verderben wird. Man kriegt das Gefühl, dass man nichts dagegen machen kann. Ich versuche es auszublenden, aber es macht mich echt aggressiv.

Wie aggressiv?

Manchmal diskutiere ich mit Leuten, mit denen ich in einer Musiklizenzvergabefirma zusammenarbeite. Die Ignoranz dieser Leute frustriert mich total. Und dann kriege ich Lust mich zu prügeln.




DALIA DAWOOD, 18

Vice: Deine Familie kommt aus Basra, aber ihr seid jetzt quer über Europa verstreut. Hast du vor, bald in den Irak zu reisen?

Dalia:
Das würde ich gerne, aber im Moment ist es ein bisschen zu gefährlich.

Was wird deiner Meinung nach in Zukunft im Irak passieren?

Ich glaube nicht, dass es ruhiger werden wird. Mein Onkel ist noch in Basra, aber es ist schwer ihn und seine Familie zu erreichen. Ihr Telefon zu Hause funktioniert nicht und wir müssen die Nachbarn anrufen. Auf der Straße, wo sie wohnen, gibt es viele Schießereien, also können sie nicht ohne weiteres das Haus verlassen.

Wann hast du das letzte Mal mit ihnen gesprochen?

Vor sechs oder sieben Monaten. Mein Onkel sagte, dass die Lage sehr schlecht sei. Das war zu der Zeit, als sie meinem anderen Onkel Ashraf vor seiner Haustür in den Kopf geschossen haben, weil ihm ein paar Häuser gehören und er dort US-Soldaten hat wohnen lassen. Für einige Leute hieß das, dass er ein Verräter ist.

Kannst du dich an deinen Onkel erinnern?

Ja, er hatte einen fahrbaren Eisladen und kam oft vorbei und brachte uns Eis. Er war ein sehr temperamentvoller Typ. Wir konnten nicht zur Beerdigung in den Irak fahren, also haben wir hier eine Andacht für ihn gehalten.

War es eine muslimische Andacht?

Nein, wir sind katholisch. Bevor die Amerikaner kamen, war es im Irak kein Problem ein Christ zu sein. Es gab katholische Kirchen im Irak.

Wie fühlt es sich an, die Fernsehberichte über den Irak zu sehen?

Al-Dschasira ist ziemlich brutal. Sie zeigen oft sehr genaue Details. Das verstört mich so sehr, dass ich aufstehen und weggehen muss.

Es ist traurig meine Heimat in dem Zustand zu sehen, in dem sie gerade ist. Ich habe kaum noch Erinnerungen an den Irak. Das, was ich im Fernsehen sehe, bestimmt jetzt mein inneres Bild vom Irak. Es macht mich sehr traurig.

Was machst du, um dich aufzumuntern?

Manchmal geh ich mit Freunden weg. Ich mag R&B und Soul. Justin Timberlakes CD ist toll. Ich werde ihn hoffentlich bei seinem Konzert im Juli sehen.