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Illustration von Frank Höhne





as macht man mit einem Mann, der das öffentlichkeitswirksame Potenzial von Kontroverse und Provokation so sehr verinnerlicht hat wie Bush Junior den o-beinigen Cowboymachis-mo? Einem Mann, dem zwei Sätze vor dem Bekenntnis, jeden Menschen auf diesem Planeten gleichermaßen zu verachten, gelegentlich eine tendenziöse Spitze zwischen die Selbstinszenierung rutscht? Mit Peter Steele, der kolossalen Verkörperung eines Front-mannes, der Polarisierungsmaschine in XXL, dessen Hauer-artige Eckzähne allerdings während der Promotion für ein neues Album kurz rund geschliffen werden? „Man wird mich nach diesem Interview nie wieder nach Deutschland lassen“, bemerkte er voller Sorge während des Gesprächs. Die Sorge ist unbegründet. Das neue Album zitiert sich durch die erfolgreichsten Kapitel des Type O Negative-Backkataloges. Alle sind zufrieden. Aber was macht man nun mit so einem Mann? Man redet mit ihm über den Krieg im Allgemeinen, den zweiten Irakkrieg und die Außenpolitik der USA im Besonderen. Was sonst?

Vice: Du hast in der Vergangenheit Kriegsästhetik für deine Bands benutzt. Wie positionierst du dich persönlich zu diesem Thema?

Peter Steele:
Ich bin gegen Krieg, aber ich habe großen Respekt vor Soldaten, egal in welcher Armee. Soldatsein bedeutet Loyalität bis in den Tod. Ich finde das bewundernswert.

Einige Soldaten haben sich nicht unbedingt bewundernswerte Aktionen geleistet ...

Ich kann natürlich keine Grausamkeiten an Zivilisten oder Kriegsgefangenen rechtfertigen oder gut heißen. Es gibt in Armeen wie auch in Zivilgesellschaften Soziopathen. Genau diese Leute sollten als Erste in den Fronteinsatz geschickt werden. Wenn ich sage, ich bin für den Soldaten, dann meine ich einen professionellen Soldaten, der Respekt vor seinem Gegner hat.

Du bezeichnest dich selbst als Republikaner. Stehst du hinter der Außenpolitik eures Präsidenten?

Bush tut mir ein bisschen leid. Seitdem sich der Irakkrieg zu seinem persönlichen Vietnam entwickelt, wird er zur Witzfigur. Entweder besetzt er das ganze verdammte Land in einem einzigen Kraftakt und macht daraus den 51. Bundesstaat oder er lässt die Leute dort einfach in Ruhe. Momentan kann er aber eigentlich gar nichts machen, niemand will den Krieg mehr, aber wenn er sich jetzt zurückzieht, sieht Amerika aus wie ein Haufen Pussys. Während sich die USA als Weltpolizei aufspielt, um den Segen der Demokratie zu verbreiten, sollte sie sich besser um die Schäden im eigenen Land kümmern. Überhaupt: Niemand weiß mehr, was das alles soll. Manche Leute sagen: Es geht bei diesem Krieg um Öl. Aber warum bezahle ich dann immer noch denselben scheiß Preis für mein Benzin wie vor drei Jahren—wo ist das verdammte Öl?

AR
Type O Negatives Dead Again ist bei SPV erschienen. http://www.myspace.com/typeonegative