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DOS & DON'TS
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Als ich mit der Kampagne fertig war, dachte ich: „Warte mal. Ich muss nicht unbedingt diese silbernen Unterhosen von Marc Jacobs anhaben, um sie zu fotografieren.“ Die Kampagne, die ich für Marc mit Cindy Sherman gemacht habe, verlief ähnlich. Wir haben einfach noch weiter Fotos geschossen, nachdem die Anzeigen fertig waren. Welche Geschichte steckt hinter den Charlotte Rampling-Fotos? Ich dachte, es wäre interessant Selbstporträts mit Charlotte zu machen. Ich hatte keine Ahnung, wie die aussehen würden, aber ich wollte es versuchen. Und als ich mit Charlotte darüber zum ersten Mal sprach, sagte sie mir, dass sie eigentlich nie Werbung für Modedesigner machen würde. Aber weil ich der Fotograf sein sollte, hat sie zugesagt. Sie hat sich darauf gefreut. Es war also mehr als nur eine Modekampagne. Richtig. Es war nicht nur ein Foto von ihr mit ein paar Kleidungsstücken und der Bildunterschrift: „Vielen Dank, Marc Jacobs“. Wir sind zusammen verreist. Ich wollte die Idee einer intimen Beziehung zwischen einer älteren Frau und mir, einem 40-Jährigen, ausleuchten. War das in bestimmter Hinsicht Schauspielerei? Ja, wir hatten ein paar Ideen, die wir auf Polaroids ausprobierten und auf dieser Basis weiterentwickelten. Für das Buch, das der Kampagne folgte, bin ich sechs Monate lang alle paar Wochenenden zu ihr nach Paris geflogen, um mehr Fotos zu schießen. Dann bin ich zurück nach London, hab sie entwickelt und dabei kamen mir noch mehr Ideen, was ich gerne mit ihr machen würde. Außerdem hat sie abgenommen, während ich zugenommen habe. Anfangs hatte ich einen Bart, den ich mir dann abrasiert habe. Sie haben sich beide äußerlich sehr verändert. Wir haben fünf oder sechs Sessions aufgenommen, die auch alle im selben Hotel gemacht wurden. Also, um noch einmal zu rekapitulieren: Sie können machen, was Sie wollen, und die Leute, die Sie für Ihre Kampagnen engagieren, sind mit dem Resultat immer glücklich. Das klingst fast utopisch. Es gibt keinen Modedesigner, der das tun würde, was Marc mit mir macht. Das macht niemand sonst. Was wir haben, ist eine Zusammenarbeit im eigentlichen Sinne. Zum Beispiel war es Marcs Idee, Winona Ryder abzulichten, ich habe nur gedacht: „Was für ein großartiger Einfall.“ Das war genau zu dem Zeitpunkt, als sie in L.A. beim Klauen von Marc Jacob-Sachen erwischt wurde. Es war also der perfekte Moment, um sie zu fotografieren. War es schwierig, William Eggleston zu der Serie für Modeanzeigen zu überzeugen? Naja, ich brauchte ein paar Tage, ehe ich ihn anrief. Ich hatte wahnsinnige Angst davor. Aber als ich es dann endlich tat, sagte er nur: „Für dich würde ich alles machen.“ Er als älterer Fotograf hat Sie inspiriert. Sind Sie sich Ihres Einflusses auf jüngere Fotografen bewusst? Ich nehme ihn wahr. Wenn ich merke, dass etwas vollkommen abgekupfert ist, ist das wirklich nervig. Sie werden ziemlich oft kopiert. Ja, und dann denke ich kurz: „Oh Gott!“, aber je öfter es passiert, desto weniger interessiert es mich. Wie muss man in technischer Hinsicht vorgehen um Jürgen Teller zu kopieren? [lacht] Ich weiß nicht. Es ist sowieso nur die Oberfläche des Fotos, die sie kopieren. Vor Jahren hat mich das etwas beunruhigt, aber jetzt bin ich darüber hinweg. Ich bin so froh darüber, in meiner eigenen Welt zu leben, dass ich nicht daran denke, dass man mich kopieren könnte. Für ihr letztes Buch Nürnberg sind Sie zurück in ihr Heimatland Deutschland gegangen. Sie haben dort Fotos an einem berüchtigten Nazischauplatz gemacht. Das ist sehr persönlich, gleichzeitig erzählt es aber auch eine universelle Geschichte. Sehen Sie, was ich meine? Das kann keiner kopieren. Das ist ein Teil meiner Vergangenheit, meiner Gegenwart und meiner Zukunft und insgesamt spezifisch für mich. Ein Mädchen, das mit grellem Blitz nackt auf dem Boden liegend fotografiert wurde, kann man leicht kopieren. Arbeiten Sie gerade an einem neuen Buch? Ich werde eine Kollektion aller Marc Jacobs-Anzeigen, die ich fotografiert habe, veröffentlichen. Es gibt viele Sachen, die Leute vergessen haben … Jarvis Cocker, Thurston Moore, Meg White, Lisa Marie. Es wird toll sein, sie alle zusammen zu sehen. INTERVIEW VON JESSE PEARSON JÜRGEN TELLER MACHT, WAS ER WILL | 1 | 2 | 3 | | |||||||||