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DOS & DON'TS












Foto von Claudia Grassl




Wir sind alle drei lesbisch. Maria hat mal versucht, es ihrer Mutter zu erklären. Aber deren Reaktion war eindeutig: sie hat gleich abgeblockt und gesagt: „So habe ich dich nicht erzogen.“ So Sexsachen wurden nie wirklich offen besprochen.



omentan haben wir hier in Schwedt alle keine Freundin. Zwar gibt es hier auch Homosexuelle, aber man kennt sich nur übers Internet. Die meisten gehen nach Berlin, um dort in Clubs zu feiern. So etwas gibt es in Schwedt nicht. Schwierig ist das eigentlich nur bei uns auf Arbeit. Wir haben einmal unseren Arbeitskolleginnen gesagt, dass wir lesbisch sind und jetzt haben die Angst, dass wir sie immer gleich bespringen. Aber wir haben auch schon positive Erfahrungen gemacht. Die meisten wollen einfach nur viel darüber wissen—wie das alles ist. Wie lesbisch sein ist. Es ist ja auch nichts Schlimmes. In Schwedt gibt es viele alte Leute, und die finden das, was wir machen, widerlich. Es wäre bes-ser, wenn hier mehr junge Leute arbeiten würden. Die würden das vielleicht auch normal finden.

Untereinander ist aber noch nichts gelaufen. Wir sind einfach nur gute Freundinnen, sollten wir miteinander rummachen, würde das alles nur kaputt machen. Viele Leute glauben aber, dass da was läuft, typischer Kleinstadttratsch eben.

Alle Leute hier sind so deprimiert. Wir haben zum Glück ne Ausbildung, dort haben wir uns auch kennen gelernt.

Wir gehen nicht so oft weg und haben uns schon immer abgesondert. Wir wurden immer als die komischen Freaks abgestempelt. Wir haben uns gefunden, weil wir eine Minderheit darstellen. Unsere Physiklehrerin ist zum Beispiel auch lesbisch.

Viele Männer finden Schwule eklig, und Lesben geil. Bei Frauen ist es eben andersrum. Unsere Mütter finden Schwulsein OK, haben aber was gegen Lesben. Aber wir wollen hier sowieso weg. Wir wollen Broadway-Stars werden.

Das war eine Idee von Franziska. Wir haben mal Musicals gehört und Filmzitate nachgesprochen. Unser Traum stellt für uns eine Fluchtmöglichkeit dar. Und wenn wir dann richtig berühmt und reich sind, wollen wir uns ein Traumhaus in New York bauen. Aber diese Broadwaygeschichte muss gut geplant sein. Zuerst wollen wir nach Hamburg an die Stage School. Da lernt man Tanz und Gesang. Nach der Ausbildung, also nächstes Jahr, wollen wir nach Hamburg ziehen. Wir haben da auch schon eine Freundin, bei der wir wohnen können.

Ich glaube, das Leben in New York wird schwer werden und voll-kommen anders als hier. Toleranter. Es wird sehr hektisch werden, und man braucht ein Visum, um erstmal dort leben zu können. Wir wissen, dass jährlich Millionen von Menschen nach New York kommen. Wir bekommen jeden Monat das Broadway Magazine, da stehen solche Sachen auch drin. Aber wir können das schon hinkriegen. Ein Traum fängt immer klein an, aber wir sind überzeugt, dass es was werden kann.

FRANZISKA UND MARIA