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DOS & DON'TS










Foto von Knut Aeserud





ffektivität und Kostenminimierung sind den beiden Norwegern keine Fremdworte. Allein die Sache mit den gesponsorten roten Trainingsanzügen—Fredrik Saroea und Ketil Mosnes sind immer lässig gekleidet, sie sparen Unmengen an Geld, und das bei einem kolossalen Wiedererkennungswert. Oder ihre BMX-Räder: Jeder weiß, es geht im Biz nicht ohne Statussymbole. Ihre Prestigeobjekte sind güns-tig in der Anschaffung bei gleichzeitiger magnetisierender Wirkung auf die Mädchen und uneinholbarem Coolnessfaktor. Alle aufgemotzten Lowrider können bitte mal schnell nach Hause fahren. Oder zum Schrottplatz. Es ist dieses „Wasser zu Wein“—(„Scheiße zu Gold“, für die Vulgärkretins unter euch) Prinzip, aus dem Datarock den großen Schatz der Lebensweisheit schöpfen. Datarock wissen alles. Sie können alles. Sie lieben jeden. Jeder liebt sie. Mein Gott, sie sind sogar eng be-freundet (und wir wollen gar nicht darüber mutmaßen, WIE eng) mit Annie, der zauberhaften Annie, deren enge Freundschaft sich mit keinem Geld der Welt erkaufen ließe. Nebenbei vereint ihr Universaltalent die gesamte Musikgeschichte in ihren Songs, in funky bis punkig arrangierten Floorfillern, bei denen die abgeklärte Cleverness dieser Burschen in jeder Bassline brummt. Sie greifen nach den Sternen—und nur so geht es. Nach eigener Aussage haben sie als Nächstes vor, die Ballade als Dancefloor-Phänomen einzuführen und ihre eigene Majorplattenfirma zu gründen. Nur zu, Freunde!

Vice: Ihr seid bekannt dafür, sehr billiges Equipment für euren Sound zu benutzen. Beschreibt die Schönheit, die der Einfachheit und der Improvisation innewohnt!

Datarock:
Die Schönheit der Einfachheit und der Improvisation ist wie die Schönheit eines weiblichen Hinterns. Deren Bestimmung ist es, von Zeit zu Zeit lustige Geräusche, Gerüche und Geschmäcke abzusondern. Manchmal aber nimmt diese Schönheit dich mit auf einen Flug durch die Nacht, zu Orten, von denen du niemals geglaubt hast, dass es sie gibt.

Ist euer Konzept der Reduktion bedingungslos und jederzeit umsetzbar? Müsst ihr nicht mitt-lerweile ganz anderen Ansprüchen genügen?

Stimmt, uns fiel das in dem Moment auf, als wir begannen, Kapital aus uns selbst als Produkt zu schlagen. Wir reagierten darauf und überlegten uns Franchise-Strategien. Wir begannen Datarock als Marke zu etablieren. Die zeitaufwändigen Geschäftsfelder haben wir mittlerweile outgesourcet, unsere Live-Shows werden zum Beispiel von professionellen Schauspielern erledigt. Wir selber bewegen uns unterdessen mehr in Disziplinen wie Marktanalyse, Marktstrategien, Absatzförderung und Verwaltung.

Welches ist die wertloseste Platte in eurer Sammlung, welches die wertvollste?

Die wertloseste ist vermutlich Datarock, unser eigenes Album. Die wertvollste ist von John Lennons erster Band The Quarry Men. Es ist die Erstpressung ihrer Version von „That’ll Be The Day“.

Was würdet ihr sagen, wenn ich behaupte, dass euer Sound und eure Attitüde Punkrock würdiger vertreten als das Gros der eigentlichen Punkbands?

Nun, konventioneller Punkrock wird immer ein Teil unseres Sounds sein, einfach um unsere Vergangenheit nicht zu leugnen. Ich denke außerdem, dass es einen kleinen Schritt für Punk, einen großen Schritt aber für die gesamte Menschheit bedeutet, wie wir als Band jede Konvention hinter uns lassen. Unsere Art der Provokation, unsere Art von Counterculture, unsere Art, gleichzeitig innovativ und ein wenig traditionell orientiert zu sein, unsere Auffassung der Retro-Postmoderne, unsere Art, den originären Punksound, den Style, die Mode, das Gefühl und die Attitüde aus einer Perspektive nach drei Jahrzehnten Informationsgesellschaft zu revidieren. Die Art wie wir Selbstzerstörung feiern und trotzdem sich bei uns alles darum dreht, Mädels flachzulegen. Ja, ein großer Schritt für die Menschheit.

AR