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Foto von Ben Rayner




itarrensoli rulen. Egal, ob der alte Typ in der Kneipe kurz vor Zapfenstreich mal wieder Weisheiten über Drei-Akkorde-Riffs, ’76 und blah und blah und blah in seinen Drink nuschelt, Gitarrensoli sind immer noch ein extrem wichtiges Element des Gitarrenrock. Sie sind der Grund, warum die Leute auf dem Tisch Luftgitarre spielen, wenn jemand bei der Jukebox auf Maiden drückt.

Deshalb liebe ich Marnie Stern. Ihr Sound lässt dich glauben, dass Elmo von der Sesamstraße eine Band gegründet hat, die Van Halen- und Don Caballero-Cover spielt.

Was noch? Diese Songs werden gespielt von einer wunderschönen, zarten und zerbrechlichen Elfe. Der obligatorische verschwitzte Kerl, der mit seinem Fuß auf der Monitorbox die Windmühle macht und dabei Shorts trägt, die so kurz sind, dass sein runzeliger, rothäutiger Sack heraushängt, ist weit und breit nicht zu sehen. Ein ziemlich großartiges Gefühl. Wie sechs Richtige im Lotto, und dann stimmt auch noch die Superzahl. Bonanza!

Vice: Es wird erzählt, dass du bis 23 überhaut keine Musik gehört hast. Was hast du stattdessen gemacht?

Marnie Stern:
Ganz früher habe ich oft Classic-Rock-Radio gehört, aber in der Zeit als ich an der NYU Journalismus studierte, war ich völlig in mein Studium vertieft. Außerdem hatte ich nur ein Radio, und die Radiosender in New York sind eine Katastrophe. Ich habe hauptsächlich gelesen, meistens Biografien von amerikanischen Präsidenten.

Welche Präsidenten waren denn die besten?

Lincoln, Adams und Clinton.

Wäre das vielleicht deine Traumbesetzung, du an der Gitarre und Bill am Saxofon?

Das wär vielleicht der Traum meiner Mutter.

Wie kamst du denn von den Präsidenten auf die Idee, eine Gitarrengöttin zu werden?

Eines Nachts sah ich Neil Hagerty von Royal Trux bei einem Konzert in Brooklyn. Er hatte diese große, weiße Double-Neck-Gitarre und hat die ganze Nacht darauf rumgewichst. Da wusste ich einfach, was ich werden will. Eine Gitarrenwichserin.

Deine Musik klingt, als hättest du ADS.

Eher im Gegenteil. Ich bin sehr diszi-pliniert. Ich wusste, dass ich eine gute Gitarristin werden will. Nachdem ich diese Entscheidung getroffen hatte, habe ich jeden Tag drei oder vier Stunden geübt. Sonst bin ich eher faul und nicht so gerne unter Leuten, von daher passte das ganz gut. Ich blieb immer zu Hause, habe alle anderen ignoriert und mich in meine seltsame Welt zurückgezogen. Am Anfang hatte ich auch keine anderen Leute zum Musik machen, nur meinen iPod. Jetzt habe ich Zach (Hill von Hella), der Schlagzeug spielt, das ist ziemlich cool.

Wie hast du deinen iPod genannt?

Ich wusste nicht, dass man denen Namen geben kann.

Meiner heißt Cuthbert. Der von Prancehall heißt Clarence.

Ähhh. Cool?

JAMES KNIGHT
Marnie Sterns Album In Advance Of The Broken Arm ist bei Kill Rock Stars erschienen.
www.myspace.com/marniestern1