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DOS & DON'TS
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![]() STORY VON TRACIE EGAN, ILLUSTRATION VON JIM KREWSON Als erstes dachte ich an den Künstler Brock Enright, der 2002 die Video Games Adventure Services gründete. Das ist eine Firma, die ziemlich gewaltsame „Designer Kidnappings“ anbietet, allerdings für einen Preis, bei dem eher das Portemonnaie als die Kundin vergewaltigt wird. Gehört hatte ich aber, dass mancher Eskortservice ähnlich realistische Vergewaltigungen und Verschleppungsszenarien für einen Bruchteil des Preises anbietet. Ich wollte nicht, dass meine so ultragewalttätig mit Schlägen und so wird. (Gegen ein paar Druckspuren an den Handgelenken hatte ich nichts, aber mein Gesicht soll doch bitte hübsch unversehrt bleiben, damit ich weiterhin auch umsonst Sex haben kann.) Ich wollte auch nicht mit Klebeband gefesselt sein oder den Mund zugestopft bekommen (außer, klar, mit einem Schwanz). Und so begann meine Suche nach einem Vergewaltiger zum Mieten. Ich fing damit an, dass ich mir die Profile von Männern auf den Eskortservice-Webseiten ansah, aber die waren echte Abtörner. Selbst wenn extra dastand, dass sie nur Frauen bedienen würden, sahen sie alle wie totale Homos aus. Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen schwule Typen, aber ich will von keinem vergewaltigt werden. Ich wusste einfach, dass sie der Sache nicht „standhalten“ würden, ha ha ha. Ich hatte ehrlich gesagt sehr viel mehr Glück mit den Seiten für „Erotische Dienstleistungen“ auf Craiglist. Ich musste keinen Mittelsmann in Anspruch nehmen, und all die Typen, die ich anschrieb, waren überglücklich, mir Fotos von ihren Schwänzen zu schickenkostenlos, versteht sich. Letztendlich verabredete ich mich mit einem 21-Jährigen (nennen wir ihn Dick), der sagte, dass er nur Frauen bediene. Ich fand ihn sympathisch, weil er auf dem Bild, das er mir aufs Handy schickte, nicht hässlich aussah. Er war halb Proll, halb Uni-Typ, und das schien mir eine ziemlich Vergewaltiger-mäßige Mischung zu sein. Er versicherte mir, dass er mit der Vergewaltigungsfantasie klarkommen könne, da Rollenspiele seine Spezialität seien. Dick sagte, dass er die ganze Fantasie ohne Zeitlimit für 300 Euro durchziehen würde. Dann wurde mir schlagartig klar, dass das hier gerade wirklich passierte. In wenigen Stunden würde ich meinem Vergewaltiger gegenüberstehen. Ich rief Dick an und sagte ihm, dass sich der Plan geändert hatte. Statt mir vor meinem Haus aufzulauern, beschlossen wir, dass er mich lieber bei einem Date vergewaltigen solle. Wir vereinbarten, uns in einer Bar in meiner Gegend zu treffen und erstmal ein paar Drinks zu nehmen. In der Drogerie kaufte ich noch ein paar Kondome und feuchtes Klopapier. Vor Nervosität hatte ich leichten Durchfall. Er war zwar nur irgendeine Nutte, aber ich wollte keinen dreckigen Arsch in seine Fresse halten. Ich ging auch in den Getränkeladen und kaufte zwei Flaschen Wein, die ich gleich zu Hause, als Entspannungshilfe, anfing zu trinken. Etwa eine Stunde vor unserem Date bekam ich eine SMS von Dick: „Ey, ich will dafür kein Geld.“ Ich schrieb zurück: „Wenn alles beim Alten bleibt, würde ich es mit uns lieber so lassen, wie es ist.“ Er antwortete mit: „Bist du ein Bulle?“ Oh Gott, dachte ich. Ich rief Dick an und erklärte ihm, dass ich mich nicht kostenlos vergewaltigen lassen wolle. Ich hatte das Ge-fühl, dass der Austausch von Geld das Einzige war, was mir ein Minimum an Kontrolle vermittelte, um mich wohl bei der Sache zu fühlen. Mal abgesehen, dass zu diesem Zeitpunkt ein wesentlicher Teil der Attraktion darin lag, dass ich wirklich einen Stricher vögeln würde. Es umsonst zu kriegen, hätte mich dieser Gelegenheit beraubt. Ich machte ihm das klar und eine Stunde später bekam ich eine SMS von ihm, dass er in der Bar sei. Er schrieb: „Ich bin hier, Baby.“ Als ich die Straße runter zur Bar lief, konnte ich ihn draußen schon eine rauchen sehen. Er war ganz süß, aber dünner als auf dem Foto, und er sah jünger aus als 21. Ich bin 28. Scheiße, wer vergewaltigt hier eigentlich wen?
![]() Wir umarmten uns kurz, dann gingen wir rein und begannen Wodka Sodas wegzuzischen, um die Spannung zu brechen. Ich war angenehm überrascht, dass Dick sofort die Kontrolle übernahm. Er entschied, dass unser Sicherheitswort „Überraschung“ war und sagte mir, dass er das Ganze voll durchzieht, bis er das Wort von mir hören würde. Wir spielten in der Bar ein paar Runden an einem Automaten, wo man so komische erotische Fotos vergleichen muss. Ich nahm das Spiel halbwegs ernst, aber er achtete gar nicht darauf. Er drückte mir ständig sein Gesicht in den Nacken und sagte dämliche, aber irgendwie passende Sachen, wie „Oh, du dreckiges Mädchen“ und „Ja, ich mag es, wenn du ihre Titten anfasst“, womit er das Mädchen in dem Spiel meinte. Er zog die komplette Anmache durch, fummelte mir an den Titten rum und griff mir unterm Minirock zwischen die Beine. Ich war inzwischen besoffen genug und fand sein schmuddeliges Vorspiel ziemlich sexy. Meine Strumpfhose war schon völlig durchnässt (was er natürlich kommentieren musste). Ich befürchtete, dass ich einfach nicht für die Opferrolle gemacht war, weil ich meine innere Schlampe nur schwer zügeln konnte. Die wollte, dass ich ihm meine Muschi gegen die Hand drückte, statt ihm auszuweichen, wie es meine Fantasie verlangte. Es war an der Zeit mit der Vorstellung anzufangen, bevor ich es vermasseln, ihn zur Toilette zerren und in einer der Klozellen vögeln würde. Wir gingen zu mir und stiegen die vier Stockwerke zu meiner Wohnung hoch. Er dicht hinter mir, wobei er mir die ganze Zeit am Arsch rumfummelte. Sobald wir drinnen waren, gab er mir einem tiefen Zungenkuss auf meiner Couch. „Gehen wir in dein Zimmer“, flüsterte er mir ins Ohr. Ich war kurz davor, so was zu sagen wie: „Aber sicher.“ Nur fiel mir dann wieder ein, warum wir hier waren, also sagte ich: „Oh, ich weiß nicht.“ „Na los, komm schon“, sagte er, während er aufstand und mich in Richtung Schlafzimmer zog. Wir saßen auf dem Bett, und er fing wieder an, mich zu küssen. Er drückte mich runter, und ich versuchte höflich ihn wegzuschieben und mich wieder hinzusetzten, aber er ließ mich nicht. Wow, dachte ich, jetzt passiert es wirklich! Verdammte Scheiße! Er griff nach meinen Handgelenken und hielt sie mit einer Hand fest, während er mit der andern anfing, ungeduldig seine Hose aufzuknöpfen. Ich versuchte mich loszureißen, aber ich hing fest. „Tu nicht so, als willst du es nicht, du kleine Schlampe!“, höhnte er. An diesem Punkt fing ich wirklich an, mich zu wehren, weil ich sicher gehen wollte, dass er ein Kondom nahm, bevor irgendwas passierte. Das Letzte was ich gerade brauche, ist ein Baby oder eine ekelige Krankheit. Ich griff in meinen Nachttisch und schnappte mir den Streifen Kondome, die ich vor ein paar Stunden vorsorglich zurechtgelegt hatte. Er zog mir mein Kleid über den Kopf, so dass ich nicht mehr sehen konnte, was er machte. Wir begannen ein Tauziehen mit meinen Strumpfhosen, bei dem ich versuchte, sie anzubehalten, und er versuchte, sie runterzureißen. Der Kampf dauerte etwa 90 Sekunden, bevor die Strumpfhosen nachgaben. Er rammte ihn rein. Eins, zwei und er kam. Nach buchstäblich zwei verfickten Sekunden war es vorbei. Hm, ich frage mich, ob das bei einer richtigen Vergewaltigung auch so ist. Würde ja Sinn machen. Vergewaltiger machen sich sicher nicht so große Sorgen, zu früh zu kommen. Es ist eher angebracht, dass sie schnell fertig werden. Dick fing sofort an sich zu entschuldigen und sagte: „Das passierte nur, weil du so sexy bist. Eine Minute, dann ist er gleich wieder hart. Lass mich nur kurz zu mir kommen.“ Aber ich übertönte seine Stimme mit dem Klang meines Vibrators. Auf gar keinen beschissenen Fall würde ich nach all dem nicht kommen. Er versuchte es wiedergutzumachen, indem er seine Finger in mich reinsteckte, aber ich schlug ihm auf die Hand und sagte nur: „Überraschung.“ ![]() Wenige Minuten später kam ich zweimal und schmiss den Vibrator zu Boden. Dick starrte mich die ganze Zeit an. Wieder versuchte er, meine Pussy anzufassen, die jetzt, nachdem sie richtig massiert wurde, ganz weich war. „Überraschung!“, sagte ich, diesmal zischend, bevor ich von meinem Bett sprang und ins Wohnzimmer ging. Ich goss mir ein Glas Wein ein, ließ mich aufs Sofa fallen und schnappte mir die Fernbedienung, um die Kanäle durchzuzappen. Dick kam aus meinem Zimmer und hatte nur seine Boxershorts an. Er setzte sich neben mich und begann meine Schenkel zu reiben. „Ich will es dir noch mal besorgen“, flüsterte er mir ins Ohr. Ich lachte ihm ins Gesicht. „Du bist so süßwie du immer über alles lachst, was ich sage.“ Er fing wieder an, mich zu küssen. Diesmal drehte sich alles, als ich die Augen schloss, mir wurde bewusst, wie besoffen ich war. Ich dachte, ich müsse ihm gleich in den Mund kotzen, also schob ich ihn weg. „Warum ziehst du dich nicht wieder an?“, fragte ich. „Nein, ich möchte es noch einmal machen. Na, los. Du weißt, dass du es auch willst.“ Er hörte einfach nicht damit auf. Also musste ich schließlich brüllen: „Überraschung! Zieh dich an. Zeit zu gehen.“ Er zog seine Sachen an, und während er sich die Schnürsenkel zuband, griff ich in meine Tasche und holte den Umschlag mit dem Geld, welches ich ihm schuldete, plus 50 Euro Trinkgeld, heraus. Als ich es ihm gab, sagte er: „Ich fühle mich immer noch schlecht, weil es so schnell vorbei war.“ „Ja“, sagte ich, „du hast recht.“ Also griff ich in den Umschlag und nahm zwei Zwanziger heraus. „Das ist für die Drinks, die ich gekauft habe.“ Ich dachte kurz nach und griff noch einmal hinein und nahm noch einen heraus und sagte: „Und das ist, weil du zu schnell gekommen bist.“ Die 60 Euro Abzug kamen in mein Portemonnaie. Er ließ den Kopf hängen und sagte kurz, dass das nur fair sei. Ich rief ihm ein Taxi und musste ihn förmlich aus meiner Wohnung schieben. Ständig versuchte er mich zu umarmen und mir zärtlich das Gesicht abzuküssen. Ich verzog es nur, während ich abtauchte und seinen Annäherungsversuchen auswichoder Kuschelversuchen, oder was auch immer das für eine Scheiße hier sein sollte. Kaum war er weg, versank ich wieder in meinem Sofa. Ungefähr fünf Minuten später bekam ich eine SMS von ihm: „Bist du sicher? Will dich einfach noch mal zum Orgasmus bringen, und das wars.“ Äh! Wie kam er eigentlich darauf, dass er es das erste Mal geschafft hatte? Ich ignorierte ihn. Sechs Minuten später kam noch eine SMS: „Na toll. Typisch mein Glück, ha ha. Wir sprechen uns hoffentlich bald.“ Ich ignorierte auch diese. Acht Minuten später kam noch eine SMS: „Aber hey, mal im Ernst, du warst toll. Ruf mich auf jeden Fall bald mal an.“ Ich hatte die ersten beiden nicht beantwortet, also machte ich mir jetzt auch keine Mühe. Ich trank meinen Wein aus und schlief schließlich auf dem Sofa ein. Ein paar Stunden später, um ein Uhr morgens, wurde ich von meinem Telefon geweckt. Er war es! Ich unterdrückte den Anruf mit größter Entschiedenheit. Ich sah, dass ich zudem zwei neue SMS hatte. Die eine war von 23.54 Uhr, also etwa zweieinhalb Stunden, nachdem Dick meine Wohnung verlassen hatte. „Bist du noch wach? Bestimmt! Ruf mich an …“ Die andere Nachricht war ein Bild, das Dick von sich selbst gemacht hattenackt und nur mit einer Fliege bekleidet. Darunter stand: „Ich mag dich wirklich.“ Mein Gott. Ich habe eine Vergewaltigung bestellt und stattdessen einen Stalker bekommen. Kurz nach drei erhielt ich die letzte Nachricht dieser Nacht: „Bist du noch wach? Ich vermisse dich.“ Am Morgen checkte ich meine Mails, und wer hätte es gedacht? Dick war im Posteingang! Er schrieb: „Hey kleine Lady, sorry, dass ich dich gestern so viel angerufen habe. Ich war vermutlich besoffener, als ich dachte. LOL! Aber im Ernst, du bist toll, und ich würde dich gerne wiedersehen. Wir sollten uns unbedingt noch mal treffen.“ Ich schrieb zurück: „Ja, ich war auch sehr besoffen. Mach’s gut.“ Das schien mir als Abschiedskuss auszureichen. Und ratet mal, wer zwei Tage später bei mir anrief? Hi, Mr. Anhänglicher Stricher. Ich ging nie wieder bei ihm ran, wenn er mich anrief, antwortete auf keine seiner Mails und SMS. Und wisst ihr, was mich richtig anpisst? Die Leute beschweren sich dauernd, dass Mädchen zu schnell emotional abhängig werden, wenn sie mit einem Typen schlafen. Aber ich habe nie gehört, dass ein Callgirl versucht hat, umsonst mit einem Kunden rumzuhängen, weil sie ihn so nett fand. So was passiert einfach nicht. Frauen können Liebe und Sex, oder Arbeit und Vergnügen sehr viel besser voneinander trennen, als die Leute (also Typen) immer von uns behaupten. Wenn man das mal betrachtet, wie wir uns nach unserem geschäftlichen Austausch verhalten haben, würde ich sagen, dass ich hier der coole Macker bin und er die Muschi. | |||||||||||||||||||||||||||||||||