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Teil Zwei: Das Ende des Öls
James Howard Kunstler ist Autor und Sozialtheoretiker. Das heißt, er verbringt seine Tage damit, über die Art, wie Leute als Gruppe zusammenleben und arbeiten, nachzudenken—und seine Nächte damit, rauszukriegen, auf welche Zukunft diese Gruppe sich zubewegt. Er ist der Autor von 13 Romanen und Sachbüchern und wird regelmäßig eingeladen, an Unis Vorträge zu halten, an die ihr eh nie kommen werdet, wie Yale, MIT und Columbia. Vor ungefähr einem Monat sahen wir ein paar coole Kids aus der Nachbarschaft auf der Hauptstraße von Saragtoga Springs, NY, abhängen, wo Kunst-ler lebt. Wir baten sie, sich anzuhören, wie Kunstler sein letztes Buch, „The Long Emergency“, vorstellt. Darin geht es darum, wie es wird, wenn die Ölvorräte der Erde alle sind und wir in einer Art Ödland leben werden, neben der Mad Max wie die West Side Story aussieht.



James Howard Kunstler: Uns geht das Öl aus und das bedeutet, dass wir die Art, wie wir leben, sehr verändern werden müssen. Wahrscheinlich können wir nicht mehr so mit unseren Autos rumfahren, wie wir es jetzt tun. Und wir werden wahrscheinlich wieder zu einem Lebensstil zurückkehren müssen, wo die Leute dichter beieinander wohnen und auch dichter bei den Dingen, die sie brauchen, wie z.B. Läden.

Einkaufen ist ja in der Zeit, die ihr bisher miterlebt habt, ein sehr wichtiger Bestandteil der modernen Lebensweise gewesen, aber das wird sich drastisch ändern. Läden, die vom Verkauf von Dingen leben, die aus 12.000 Kilometern Entfernung angekarrt werden, wird es nicht mehr geben. Wir werden unsere Geschäfte wieder auf lokaler Ebene betreiben müssen.

Mike:
OK, aber dann haben wir einfach wieder örtliche Läden und so was. Die haben wir ja eh schon.

In Wirklichkeit ist das etwas, was wir schon lange nicht mehr haben. Und es wird nicht ganz einfach werden, wieder zu lernen, wie man das macht, denn so was passiert nicht über Nacht. Wir werden wieder lernen müssen, wie man Landwirtschaft betreibt und wir werden unsere Nahrung näher bei uns zu Hause anbauen müssen ...

Kayla:
Ich habe einen Garten.

Es ist möglich, dass wir wieder Ochsen und Bullen und Pferde benutzen müssen, wie wir es schon so lange nicht mehr getan haben, als sich irgendeine lebende Person erinnern könnte.

Robert:
Werden wir auf Ochsenkarren in die Schule fahren?

Soweit würde ich mich nicht aus dem Fenster hängen, aber ich denke, wir werden sehr große Probleme mit Autos haben. Eine Sache, die ihr vielleicht nicht wisst, ist, dass wir in diesem Land einmal ein sehr gutes Eisenbahnsystem hatten und dahin müssen wir wieder zurück. Wir werden die Eisenbahn wieder aufbauen müssen. Und eine andere Sache ist die, dass wir große Veränderungen in der Bildung und an den Schulen sehen werden. Ich habe das Gefühl, dass wir High Schools, wie wir sie kennen, wahrscheinlich nicht mehr sehr lange haben werden. Schon allein, weil es sehr schwierig werden wird, die Schulen, die von diesen ganzen Flotten gelber Busse abhängen, aufrechtzuerhalten.

Kayla:
Na, wenn das so ist ... [lacht]

Ein anderer wichtiger Aspekt dieser ganzen Sache ist die weltweite Klimasituation. Die Polarkappen schmelzen, die Gletscher schmelzen und wir werden extreme Hitzewellen und Fluten und Hurrikane erleben. Diese klimatischen Probleme werden unsere Landwirtschaft vor zusätzliche Probleme stellen und eine zusätzliche Ebene von Schwierigkeiten schaffen.

Robert:
Sicher kriegen wir dann Sachen von der Regierung. Katastrophenhilfe oder so was.

Das wird wahrscheinlich nicht der Fall sein. Es wird sicher eine Menge Spannung zwischen den verschiedenen Ländern und Regionen und Völkern geben. Sie werden wahrscheinlich alle um die selben raren Öl-, Energie- und Rohstoffreserven kämpfen.

Mike:
Nicht im Ernst.

Total im Ernst. Wir können es ja sogar schon sehen. Sicher wissen einige von euch, dass in der Welt gerade viele schlimme Dinge passieren. Die amerikanische Armee kämpft im Irak und im Mittleren Osten und es herrscht Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon. Es gibt sehr viele Reibereien zwischen den Nationen, die viel Öl haben und den Nationen, die Geld haben, um Öl zu kaufen. Es gibt sogar Reibereien mit anderen Nationen, die eher am Rand des Geschehens stehen. Alle haben viele verschiedene Schwierigkeiten.

Mike:
Und was ist, wenn sie Autos herstellen, die mit Strom laufen? Oder Luft? Ich mein, Heißluft.

Man kann Autos mit allem Möglichen betreiben: Biodiesel, oder Alkohol und sogar Frittierfett. Die Frage ist nur, kann man 200 Millionen Autos damit betreiben, oder 50 Millionen. Oder auch nur 25. Und die Antwort drauf lautet: wahrscheinlich nicht.

Jennie:
Also, was werden wir tun?

Du meinst, in was für einer Welt werdet ihr aufwachsen? Ich denke, es wird eine sehr andere Welt sein, als die eurer Kindheit. Eine ernstere Welt. Es wird eine Phase der Entbehrung geben, denn es wird immer weniger Energie zur Verfügung stehen, um all die Dinge zu betreiben, die wir so brauchen. Es werden viele Jobs verschwinden.

Robert:
Womit werden wir Geld verdienen?

Nun, vielleicht wird es ein paar von den Jobs, die heute sehr beliebt sind, wie Rockstar oder Filmschauspieler—oder Buchautor—in Zukunft nicht mehr geben.

Jennie:
Gibt es denn irgendeine Hoffnung?

Nun, in dieser Welt wird die Hoffnung aus dir selbst kommen müssen. Und um das zu erreichen, wirst du eine sehr fähige junge Frau werden. Ihr werdet alle zu sehr fähigen jungen Leuten werden müssen, die sich zutrauen, die Probleme, vor die die Wirklichkeit euch stellt, zu lösen. Dazu müsst ihr ernst-hafte junge Leute werden. Euer Leben wird härter werden, als das vieler Generationen vor euch. Und ihr werdet in dem, wie ihr dieser neuen Realität, in der wir leben werden, gegen-übertretet, sehr heroisch sein müssen. Und eine Weile werde ich noch mit dabei sein und noch ein bisschen darüber schrei-ben. Da habt ihrs also. Wir sehen uns.


TO BE CONTINUED
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