Hey Kids,
fragt ihr euch manchmal, was in vier Jahren los sein wird? Uhh—Gymnasium! Und in 40 Jahren? Uhh—Apokalypse, Unruhen und Computer, die die Menschheit beherrschen, als wären wir ihr Spielzeug!

Wir von Vice haben gerade drei der wichtigsten Wissen-schaftler und Sozialtheoretiker der Welt aufgesucht—Leute, die ihr Leben in winzigen Labors verbringen, um zu versuchen, die Zukunft vorherzusagen—und baten sie, ein wenig ihrer wert-vollen Zeit mit ein paar Kindern zu verbringen, um ihnen zu er-klären, wie die Welt einmal sein wird, wenn sie groß sind. Und, richtig geraten: Sie wird sehr, sehr, sehr, sehr schlecht und extrem seltsam.

Um ehrlich zu sein, sind die Ergebnisse ziemlich Besorgnis erregend, um nicht zu sagen zutiefst erschreckend! Aber lasst euch deswegen nicht unterkriegen, schließlich gehört euch die Zukunft! Viel Glück, Jungs und Mädels!



Teil Eins: Das Ende der Welt

John Leslie ist ein Philosophieprofessor an der Universität von Guelph und der Autor vieler Erwachsenenbücher, darunter „The End of the World“ (Routledge). Er wurde an der Uni in Oxford ausgebildet, wo er erst viel über Englische Literatur lernte; aber als er ein bisschen älter war, beschloss er, dass er nicht Bücher lesen, sondern lieber die grundlegenden Fragen der Welt studieren wollte: „Was ist das Universum?“ „Warum existiert es?“ Also so richtig große Fragen.

Nun ratet mal, was er rausgefunden hat: Die Menschen sterben aus! Wer hätte das gedacht?

Vor kurzem kehrte Professor Leslie seinem Labor eine Weile den Rücken, um sich mit den fast Teenagern Rachel und Diana über die paar Milliarden verschiedene Arten, wie die Menschen höchstwahrscheinlich vom Gesicht der Erde verschwinden werden, zu unterhalten.



Professor John Leslie: Der Titel meines Buches ist „Das Ende der Welt“. Wisst ihr, was ich damit meine, wenn ich „das Ende der Welt“ sage?

Diana:
Wenn die Planeten ausgehen?

Nein, ich meine, wenn der letzte Mensch stirbt. In meinem Buch habe ich bewiesen, dass es statistisch wahrscheinlich ist, dass die menschliche Rasse vor dem Aussterben steht. Dann habe ich ein paar sehr realistische, wissenschaftliche „Katastrophenszenarien“ untersucht. Das sind verschiedene Möglichkeiten, wie alle Menschen auf der Welt sterben könn-ten. Eine dieser Katastrophen hat mit bakterieller Kriegsführung zu tun. Weiß eine von euch, was bakterielle Kriegsführung ist?

Rachel:
Das ist, wenn sie so was in Umschläge packen und verschicken.

Das ist ein Beispiel. Das ist vor fünf Jahren mit dem Bakterium Anthrax passiert. Aber dank der Gentechnik nimmt die Gefahr bakterieller Kriegsführung zu. Wisst ihr, was ich mit Gentechnik meine? Keine? Gentechnik ist, wenn Wissen-schaftler mit gefährlichen Bakterien experimentieren um sie noch gefährlicher zu machen.

Diana:
Was, so dass man nicht mehr Medizin nehmen kann, um wieder gesund zu werden?

Sicher, das ist eine Möglichkeit. Man kann gefährliche Bakterien auch so verändern, dass sie sich leicht ausbreiten. Man kann sie auch so machen, dass sie mehr Leute töten, wenn sie sich ausbreiten. Mit dem AIDS-Virus zum Beispiel kann man sich nur sehr schwer anstecken. Aber wie wäre es, wenn man ihn so verändert, dass man sich schon durch Husten anstecken kann?

Diana:
Das wäre sehr, sehr schlecht.

Manche Leute haben auch vorhergesagt, dass die Gentechnik genutzt werden könnte, um empfängnisverhütende Bakterien zu entwickeln. Wisst ihr, was Empfängnisverhütung ist?

Rachel and Diana:
[Gekicher]

Nun ja, es wurde vorgeschlagen, diese Bakterien Frauen zu verabreichen, die nicht schwanger werden wollen. Die Bakterien könnten sie mehrere Monate lang vor Schwangerschaft bewahren. Leider könnten diese Bakterien sich auch auf andere Frauen ausbreiten. Sie könnten sich über alle Frauen ausbrei-ten und verhindern, dass noch irgendjemand Kinder haben kann. Das wäre dann das Ende der menschlichen Rasse. Aus und vorbei. Ein anderes Szenario, das ganz interessant ist, ist das Klebmassendesaster.

Diana:
Das klingt wie aus einem Comic.

Ja, stimmt. Klingt ein bisschen so. Na, jedenfalls gibt es da ein paar Neuerungen auf dem Gebiet der sogenannten Nanotechnologie. Wisst ihr, was das ist?

Rachel:
Ja, das hat was mit dem Weltall zu tun.

So ähnlich. Das ist, wenn man Dinge miniaturisiert, wie z.B. Computer. Es ist gut möglich, dass es in näherer Zukunft Computer geben wird, die so klein sind, dass man sie nicht mehr sehen kann. Es könnte Computer geben, die so klein wie ein Staubkorn sind. Und diese Computer wären so leistungsstark, dass sie Kopien von sich herstellen könnten. Könnt ihr euch vorstellen, was dann passieren könnte?

Diana:
Sie könnten Kontrolle über den Körper übernehmen. Wie in „I, Robot“.

Keine schlechte Idee. Aber ich hab an etwas anderes gedacht. Diese Art Computer könnten in der Produktion sehr nützlich sein, aber auch auf dem Gebiet der Kriegsführung. Und wenn so ein Klebmassendesaster passiert, könnten sie sich in Gegenden der Welt ausbreiten, die auch für Lebewesen bewohnbar sind. Und wenn das passiert, hätte man innerhalb weniger Monate nicht nur die komplette menschliche Rasse, sondern auch alle anderen Tiere ausgemerzt.

Diana:
Okay. Wie in „I, Robot“.

Etwas anderes, was ich noch erwähnen sollte, ist die Möglichkeit, dass Roboter uns verdrängen. Eine der interessanten Möglichkeiten ist, dass die Computer uns durch unsere Errungenschaften ersetzen würden.

Diana:
Hä?

Wisst ihr, die menschliche Intelligenz hat eine Menge Grenzen. Sie wird von allen möglichen Hindernissen zurückgehalten. Ihr wird durch den Tod ein Ende gesetzt. Sie wird durch Dinge wie Krankheiten und Neurosen behindert. Maschinelle Intelligenzkönnte hingegen extrem gut ausbalanciert und völlig genial sein und nie irgendwelche mentalen Probleme haben. Man könnte sagen, sie wäre permanent glücklich. Es gibt Leute, die denken, die Menschheit sollte durch solche Computer ersetzt werden.

Diana:
Was würde mit uns passieren?

Na ja, die Computer würden die Menschen ersetzen. Die Menschen wären tot. Aber eines der interessantesten Szenarien, mit denen ich mich beschäftigt habe, ist eins, was ein bisschen schwer zu verstehen ist. Wir probieren's mal.

Stellt euch das Gewebe des Universums vor. Dann stellt euch vor, dass man etwas herstellen könnte, was so wie ein Nadelstich in einen Luftballon funktioniert. Ihr wisst, was passiert, wenn man in einen Luftballon sticht?

Rachel:
Er fliegt in der Luft rum, bis die ganze heiße Luft raus ist?

Na ja, man könnte in einem Laborexperiment eine kleine Blase entwickeln, welche sich fast mit Lichtgeschwindigkeit ausbrei-tet. Sie würde erst unsere und dann alle anliegenden Galaxien zerstören. Und dann würde sie sich bis ins Unendliche ausbrei-ten und durch das ganze Universum hinweg alles zerstören, worauf sie triff.

Diane:
Ach, komm.

Im Ernst, dieses Szenario wurde in den Physikzeitschriften sehr ernsthaft diskutiert.

Diane:
Das ist gruselig.

Ich erzähle euch noch schnell eine letzte Sache. Wir bemerken die Energie nicht, die sich im Raum um uns herum befindet, oder? Wir denken einfach, es ist leerer Raum. Das Nichts. Das stimmt aber nicht. Es ist wie mit den Fischen in der Tiefsee. Sie sind unter hunderten von Tonnen Wasser, sie wissen es nur nicht. Nun ist es so, dass der Raum um uns herum voller Ener-gie ist, wir kriegen sie bloß nicht mit. Versteht ihr? Es ist wie bei den Fischen. Wie kann man also den Raum, in dem wir leben, aus dem Gleichgewicht bringen?

Rachel:
Explosionen?

Stimmt. Möglicherweise durch ein Experiment mit sehr starken Energien. Und, ich weiß nicht, ob ihr es wisst, aber die Wissen-schaftler verbringen heutzutage viel Zeit in ihren Labors damit, Kollisionen zwischen Partikeln zu produzieren. Und das könnte sehr gefährlich werden. Viele Physiker sagen, „na ja, wir glauben nicht, dass es eine wirkliche Gefahr gibt. Lasst uns weiter immer größere und größere Desaster produzieren.“

Diane:
Aber das werden sie doch nicht tun.

Nun ja, wenn jemand es wirklich darauf abgesehen hätte, die menschliche Rasse auszumerzen, werden sie das in der näheren Zukunft relativ einfach tun können. Diese Art von Dingen machen mich etwas pessimistisch. Der Leiter der Royal Society in Großbritannien geht davon aus, dass die Chancen, dass wir bis zum Ende dieses Jahrhunderts ausgerottet sein werden, ca. 50:50 stehen ...

Rachel:
Also geht die Welt unter?

Es ist völlig klar, dass sie untergehen wird. Ich kann nur nicht sagen wann.


TO BE CONTINUED
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