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DOS & DON'TS









Fotos von Patrick O’Dell. Nur die Shirts, die Ray hochhält sind von ihm. Die anderen haben wir überall in Manhattan gekauft.

Fotos von Ben Ritter






Seine Lieblingscartoonfigur in einen Gangster zu verwandeln und das Resultat auf ein XXXL-T-Shirt zu packen, war in der Vergangenheit ein ähnlich schwieriges Verfahren wie eine illegale Abtreibung. Dank der eisernen Hand, mit der Warner Brothers und Konsorten die Lizenzen ihrer Kinder-TV-Stars umklammerten, konnte die Operation höchstens von gewieften Bordsteinmalern oder Hinterhofsiebdruckern durchgeführt werden. Unter diesen dubiosen Umständen waren die Ergebnisse häufig durchwachsen und viele urbane „Taz“-Enthusiasten ließen harte Dollars für ein Shirt mit dem verschwommenen Bild eines verformten braunen Klumpens mit einem Kopftuch.

Glücklicherweise hat auch die alte Garde in den letzten zehn Jahren ihre Augen für die Realität geöffnet und erkannt, dass Prostitution und Drogenverkauf lediglich zwei der bunteren As-pekte der modernen Welt sind. Zwar gibt es in Bezug auf Gewalt oder massiven Betäubungsmittelgebrauch noch einige Hürden zu überwinden, aber die Dinge haben sich definitiv geändert.

Nicht nur darf man heute Elmo im feinsten Blingbling-Pimp-Outfit auf seiner Brust tragen, ohne Angst haben zu müssen, dafür verklagt zu werden. Die Fülle von qualitativ hochwertigen „Thugtoons“, welche gegenwärtig die Verkaufsstände überflutet, schraubt die Kreativität der Bootlegger in ungeahnte Höhen, allein schon aus Konkurrenzdruck. Gibt es denn eine schönere Art, den Gesetzen des freien Marktes Tribut zu zollen, als mit einem Shirt, auf dem der Michelinmann Mr. Propper die Fresse poliert? Das kann man nicht toppen. Versuch’s erst gar nicht.

Wir unterhielten uns mit Ray Sierra, Airbrush-Künstler aus der Bronx und kreativer Kopf hinter Big Puns offizieller T-Shirtreihe, sowie Erfinder solcher Juwelen wie Pimp Elmo, Pimp Pink Panther, Pimp Tweety und Tupac Patrick von Spongebob. Ein Gespräch über das entspannte Klima auf dem Cartoon-Urbanisierungsmarkt und künftige Herausforderungen.


Vice: Der ganze Cartoon- und Kinderkram, den ihr da macht, ist ganz offiziell oder?

Ray:
Den Großteil unserer Arbeiten machen wir für einen Brand namens Changes. Sie haben die Lizenzen für die betreffenden Charaktere, unsere Pink Panther-Shirts sind also voll authentisch. Du siehst es am Label. Steht Pink Panther drauf.



Und die Lizenzhalter finden das OK, wenn ihr da Pimps und Drogendealer draus macht?

Sie mögen ihre eigenen Charaktere nicht diffamieren. Sie wollen nicht Bugs Bunny mit einem Blunt sehen, oder Spongebob mit einer AK47. Aber der urbane Markt will das, denn in unserer Welt dreht sich alles um Sensationen, um die Glorifizierung von Knarren und Gangstern. Der urbane Konsument möchte, dass die Charaktere, die er trägt, dieses ganze Ding reflektieren.

Das macht schon Sinn, aber gibt es dafür nicht Scarface—und 50-Cent-Shirts? Warum aus Kinderfiguren Gangster machen?

Wenn man darüber nachdenkt, ist es simples Marketing—die Leute kaufen, was sie kennen. Wir sind alle mit Bugs Bunny aufgewachsen und kennen ihn von den Loooney Tunes und Tiny Toons. Außerdem gibt es, wie bei Daffy Duck oder dem Pink Panther, Charaktere mit einer besonderen Art von Persönlichkeit. Nimm zum Beispiel Spongebob. Er ist gerade die Nummer eins, weil er das innere Kind in uns repräsentiert, das nur albern und blöd sein will und Scherze macht.

Aber wenn man ihn mag, weil er kindisch ist, warum dann Thugbob oder Streetbob Straighthood aus ihm machen?

Naja, es gibt viele Jungs, die tief in ihrem Inneren gerne so süßes Zeug tragen würden, aber was Härteres brauchen, weil es mit einem Winnie-the-Pooh-Shirt schwer wird, bei den Ladies zu landen, wenn man erstmal auf der High School ist. Wenn er aber zwei Knarren und eine Bazooka hält, dann ist das cool. Sie wollen tough sein, aber trotzdem noch attraktiv für die Frauen, also holen sie sich einen Gangsta-Tweety, denn fast jedes Mädchen liebt Tweety.

Wenn ihr eine Lizenz bekommt, gibt es dann ein paar Regeln, was man machen darf und was nicht?

Die Lizenzhalter geben dir eine Anleitung, wie du zeichnen sollst. Manche, beim Pink Panther zum Beispiel, sind sehr pingelig, was das Nachzeichnen angeht. Die Proportionen müssen stimmen. Sie wollen, dass er genauso aussieht, wie ihn sein Erfinder gezeichnet hat. Bei anderen Charakteren, etwa Popeye, hat man etwas mehr Freiraum.



Von dem technischen Aspekt abgesehen, hast du freie Hand?

Wir entwickeln verschiedene Ideen, aber der Lizenzhalter muss dann zustimmen. Wir versuchen sie also von dem härteren Kram zu überzeugen, aber in neun von zehn Fällen drucken sie nichts mit Waffen oder Drogen. Es ist oft schwer zu sagen, was durchgeht und was nicht. Zum Beispiel hatten wir diesen einen Entwurf für den Pink Panther, wo er ein Kopftuch trägt und Push-Ups macht, diese typische Gefängnishofszene und darüber stand „Get your weight up“.

Sie wollen ihn also nicht beim Fitnesstraining, aber als Pimp ist er OK? Ach warte, „Get your weight up“ könnte ja auch heißen „Verkauf mehr Drogen“. Jetzt versteh ich’s.

Ja, und auf einem anderen Shirt stand: “Pinkin ain’t easy.” Ich wusste, dass wir nicht mit „Pimpin ain’t easy“ durchkommen würden, also dachte ich einfach: „OK, wir geben dem Pink Panther alle Anzeichen eines Pimps aber nennen das Wort Pimp nicht.“ Man darf bei diesen Leuten nicht zu direkt sein. Daher oft diese doppeldeutigen, unterschwelligen Sachen. So erreicht man die urbane Kundschaft, ohne die älteren Generationen, die diesen Slang nicht kennen, zu schockieren.

Wenn die Big Guys jetzt auf denselben Markt schielen, warum gab es dann noch keine großen Razzien bei den ganzen verrückten Bootleg-Designern?

Die meisten dieser Hip-Hop-mäßigen Künstler verkaufen ja nur an kleine Läden. Sie machen pro Design vielleicht 50 Shirts. Das ist nicht genug, um etwa dem Pink Panther zu schaden. Eher das Gegenteil, es ist Promotion und verhilft den Charakteren zu mehr Bekanntheit.

Auch wenn sie vor einem Berg Koks stehen, mit einer Knarre in der Hand?

Die Wahrheit ist, dass diese Companies es nicht selbst machen können, dann würden sie ihre alten Fans verlieren. Ich meine, es gibt Betty Boo-Fans, die sind jetzt 90 oder so. Die möchten sie nicht mit Brustimplantaten, Nuttenstiefeln und Revolver sehen. Aber die Kids wollen.

Fuck, ich will es auch!

Eben. Es ist ein kulturelles Phänomen, bei dem die urbanen Künstler sich an den kommerziellen Unternehmen orientieren, welche nur darauf warten, dass jemand eben diese urbane Seite an ihren Charakteren hervorhebt. Und wenn das niemand macht, dann wird es erst recht interessant. Da kommt dann das Bootlegging ins Spiel.

THOMAS MORTON